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Gehölzpflege · 4 Min Lesezeit

Die Heckenschere richtig ansetzen: Form und Vogelschutz

Eine schoene Hecke entsteht nicht durch Kraft, sondern durch das richtige Auge fuer Form, Zeitpunkt und die kleinen Mitbewohner im Geaest.

Die Form macht den Unterschied: Warum unten breiter besser ist

Der haeufigste Fehler beim Heckenschnitt ist so verbreitet, dass er fast normal wirkt: Die Hecke wird oben breit stehen gelassen und nach unten hin schmaler. Das Ergebnis siehst Du nach ein, zwei Jahren selbst. Unten wird die Hecke kahl, lichtet sich aus und zeigt Loecher bis aufs Holz.

Der Grund dafuer ist einfach. Eine breite Krone wirft Schatten auf die unteren Triebe. Licht ist aber der Treibstoff jeder Pflanze. Wo zu wenig davon ankommt, bildet sich kein neues Gruen, und die Hecke verkahlt von unten her.

Die Loesung ist die Trapezform: Du schneidest die Hecke unten etwas breiter als oben. So faellt Licht bis auf die bodennahen Aeste, und die Hecke bleibt vom Boden bis zur Krone gleichmaessig dicht. Als angenehmer Nebeneffekt rutscht im Winter der Schnee leichter von der schmalen Krone, statt die Aeste auseinanderzudruecken.

So setzt Du die Schere an

Der richtige Zeitpunkt: Was das Gesetz vorschreibt

Bevor die Schere ueberhaupt zum Einsatz kommt, lohnt ein Blick in den Kalender, denn der Heckenschnitt ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Nach Paragraf 39 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) ist es vom 1. Maerz bis zum 30. September verboten, Hecken, lebende Zaeune, Gebuesche und andere Gehoelze abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen.

Das gilt fuer ganz Deutschland, also auch hier bei mir in Erfurt und im uebrigen Thueringen. Dieses Fenster schuetzt die Brutzeit der Voegel, die in dichten Hecken nisten. Ein radikaler Rueckschnitt oder gar eine Rodung in diesem Zeitraum kann als Ordnungswidrigkeit mit empfindlichen Bussgeldern geahndet werden.

Wichtig ist die Ausnahme im selben Paragrafen: Schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des jaehrlichen Zuwachses sind auch im Sommer erlaubt. Du darfst Deine Hecke also in Form halten, nur eben behutsam und nicht bis auf das alte Holz zurueck.

Erst schauen, dann schneiden

Auch beim erlaubten Pflegeschnitt gilt eine einfache, naturverbundene Regel: Schau vorher genau hin. Wirf einen Blick ins Geaest, bevor Du die Schere ansetzt. Findest Du ein bewohntes Nest, lass diesen Heckenteil stehen, bis die Jungen ausgeflogen sind. Die paar Wochen Geduld kosten Dich nichts und retten womoeglich eine ganze Brut. Diese Ruecksicht ist fuer mich kein laestiges Beiwerk, sondern der Kern meiner Arbeit.

Leise arbeiten: Ruecksicht auf Voegel und Nachbarn

Gerade in der Brutzeit zaehlt nicht nur, ob Du schneidest, sondern auch wie laut. Bruetende Voegel reagieren empfindlich auf Laerm und Stoerung. Ich fahre deshalb mit dem Lastenrad samt Anhaenger an und arbeite ausschliesslich mit Akku-Heckenscheren. Kein Benzin, kein Knattern, kein blauer Abgasnebel im Garten.

Das hat auch einen praktischen Vorteil bei den Ruhezeiten. Die Geraete- und Maschinenlaermschutzverordnung erlaubt laute Gartengeraete in Wohngebieten an Werktagen nur zwischen 7 und 20 Uhr und verbietet sie an Sonn- und Feiertagen ganz. Fuer besonders laute Geraete mit Verbrennungsmotor wie Freischneider oder Laubblaeser gelten in Wohngebieten zusaetzliche Sperrzeiten in den Mittags- und Randstunden. Eine leise Akku-Schere faellt unter diese verschaerften Beschraenkungen ohnehin nicht und stoert Voegel wie Nachbarn deutlich weniger.

Eine richtig geschnittene Hecke ist am Ende ein kleines Stueck gelebter Naturschutz: dicht genug, um Voegeln Schutz und Brutplatz zu bieten, in Form gehalten mit ruhiger Hand und zum richtigen Zeitpunkt. Wenn Du magst, uebernehme ich das gern fuer Dich, leise, sauber und mit dem Blick fuers Ganze.